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Deutschlands Wasserstoffstrategie erleidet Rückschlag im Saarland

Bund und Länder investieren Milliarden in die Produktion von grünem Stahl, doch ein entscheidendes Wasserstoffprojekt im Saarland, das eigentlich die heimischen Bestrebungen stärken sollte, will den wichtigen Energieträger aus Frankreich importieren.

Diese Abhängigkeit vom Nachbarland wirft angesichts der umfangreichen öffentlichen Förderung Fragen nach der Wirksamkeit der deutschen Wasserstoffstrategie auf und legt Schwächen beim Aufbau eigener Produktionskapazitäten offen.

Wasserstoffimporte treiben saarländisches Stahlprojekt an

Power4Steel, ein 4,6-Milliarden-Euro-Projekt, davon 2,6 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln, soll mithilfe von Wasserstoff grünen Stahl erzeugen. Federführend ist die Saar Stahl Holding (SHS), unterstützt vom Bundeswirtschaftsministerium.

Den Wasserstoff für die saarländischen Stahlwerke liefert Frankreich. Verso Energy errichtet dazu in Carling eine Elektrolyseanlage mit 300 MW Leistung für 450 Millionen Euro, die jährlich 6.000 Tonnen an das Stahlwerk in Dillingen liefern soll.

Diese Entwicklung steht in deutlichem Kontrast zur Nationalen Wasserstoffstrategie Deutschlands, die bis 2030 den Aufbau von 10.000 MW inländischer Elektrolyseleistung vorsieht.

Aktuell sind erst 1,7 Prozent dieses Ziels in Betrieb – fünf Jahre vor der Frist. Die Abhängigkeit von ausländischer Wasserstoffproduktion, zumal mit deutschen Subventionen finanziert, zeigt die große Lücke zwischen nationalen Ambitionen und der Realität vor Ort.

Der Bundesrechnungshof stellt zudem die Wirtschaftlichkeit von Wasserstoff infrage und warnt vor möglichen Dauersubventionen sowie unsicheren Klimaeffekten.

Herausforderungen für die deutsche Wasserstoffproduktion

Frankreichs kernkraftlastiger Energiemix verschafft seinem Wasserstoff einen Kostenvorteil.

Zwar sind sich Deutschland und Frankreich über die Einstufung der Kernkraft als grün einig, doch verlangt die EU-Taxonomie für das Zertifikat „grüner“ Wasserstoff Strom aus erneuerbaren Quellen.

Demnach gilt ein nationaler Strommix als grün, wenn er weniger als 18 Gramm CO₂-Äquivalent pro Megajoule ausstößt.

Frankreich erreicht diesen Schwellenwert dank der Kernkraft, sodass Elektrolyseure, die den regulären Strommix nutzen, ihr Produkt als kohlenstoffarm vermarkten können.

Deutschlands Strommix nach dem Atomausstieg ist dagegen deutlich CO₂-intensiver. Für grünen Wasserstoff braucht es hier eigens erneuerbare Anlagen – was die Kosten erhöht.

Auch wenn Verso-Energy-Chef Antoine Huard versichert, dass der Strom für den saarländischen Elektrolyseur direkt aus Wind- und Solarparks in ganz Frankreich komme, stehen deutsche Hersteller weiterhin vor ernsthaften Wettbewerbshürden.

Die Lage zeigt zudem, wie komplex internationale Energiekooperationen auf dem Weg zu den Klimazielen sind.


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